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Der Ursprung Schleusingens |
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Ein
reicher Graf jagte in den Waldungen dieser Gegend lange
vorher, ehe die Stadt noch vorhanden war, und verfolgte
unablässig ein weißes Reh, ohne dieses noch erjagen zu
können. Darüber brach die Nacht herein, und der Graf,
welcher von seinen Begleitern ganz abhanden gekommen
war, musste die Ruhe auf bloßer Erde des Waldbodens
suchen.
Schon hatte er sich am Fuße eines felsigen Berges
niedergelegt, als er einen ungewöhnlichen Glanz gewahrte
und eine felsige Grotte erblickte, in welcher sich ein
kristallenes Becken befand; drei silberne Quellen
ergossen sich hinein, und auf den lichten Wellen wiegte
sich eine reizende Wasserfee, die um ihre Stirn ein
blitzendes Band trug, darauf die Zeichen
S.L.U.S. zu lesen
waren. Diese Fei erhob einen süßen und bezaubernden
Gesang, und als sie geendet, winkte sie den Grafen zu
sich hin und vertraute ihm, dass jenes Reh, das er
verfolgte, ihre Tochter sei, die ein böser Zauberer
verwandelt habe, der oben in einem gewaltigen und festen
Turm wohne.
Diesen Zauberer wolle sie in den Schlaf singen, und der
Graf solle ihn überwältigen und töten. Das werde ihm
durch die Worte gelingen, die ihr Stirnband zieren,
welche bedeuten: Sie (nämlich die Tochter der Wasserfee)
Liebe Und Siege!
Das alles geschah wirklich, als der Zauberer getötet
war, musste der Graf das Reh dreimal mit der Flut des
Krystallborns benetzen, dessen drei Quellen die drei
vereinigten Bergwasser: Schleuse, Erle und Nahe
bedeuteten, worauf sich das Reh in ein wunderhübsches
Fräulein verwandelte. Mit diesem vermählte sich der Graf
und nannte sich und sein Geschlecht von der Brunstedt,
gründete Schloss und Stadt Schleusingen, deren Name aus
den vier geheimnisvollen Buchstaben S.L.U.S. sich
bildeten und welche zum Wahrzeichen die Sirene in ihrem
Wappen beibehielt.
Die Wasserfee soll noch im Schlossbrunnen, dem klarsten
und besten der Stadt, wohnen. Das Geschlecht derer von
Brunstedt artete aber aus und soll von den Grafen von
Henneberg vertrieben sein.
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(Aus: Deutscher Sprachschatz, von Ludwig
Bechstein, 1853). |
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